Der Hugo-Häring-Landespreis

Der BDA Baden-Württemberg verleiht seit 1969 im Abstand von 3 Jahren den Hugo-Häring-Preis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg an Bauherren und Architekten für ihr gemeinsames Werk. Der Hugo-Häring-Preis ist der bedeutendste baden-württembergische Architekturpreis. Das Auszeichnungsverfahren ist zweistufig: 1. Stufe: Hugo-Häring-Auszeichnung in den BDA Kreisgruppen 2. Stufe: Hugo-Häring-Landespreis. Nächste Auslobung: 2020

7 Hugo-Häring-Landespreise 2018

Präambel der Jury

Der Hugo-Häring-Preis ist der wichtigste Preis für Architektur, der im Land Baden-Württemberg vergeben wird. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur und damit einhergehender enormer Bautätigkeit kommt diesem Preis eine hohe Bedeutung zu:

In Baden-Württemberg wurde selten so viel gebaut wie in den letzten Jahrzehnten und so verbinden sich in unserer architektonischen Gegenwart Städte zu Stadtagglomerationen, Dörfer verwandeln sich in Vor-Städte und Siedlungen breiten sich in die Landschaft aus. Zwischen diesen suburbanen Strukturen wachsen Industriegebiete und Gewerbezonen und bilden zusammen mit Einkaufszentren und Konsumerlebniswelten unsere gebaute Welt.

Vor diesem Hintergrund prämierte die Jury des Hugo-Häring-Preises Architekturen, die innerhalb dieser heterogenen, meist wenig qualitätsvollen architektonischen Umwelt Maßstäbe für eine hochwertige Baukultur setzen. Als Baukultur können dabei nur die Architekturen bezeichnet werden, die sich durch Ausstrahlung und Präsenz, Würde, Können, Phantasie und Innovationskraft auszeichnen und durch ihre Fähigkeit, der Umwelt, in der sie erschaffen wurden, neben der erfüllten Funktion einen weiteren Wert zu geben.

Begeistert entdeckte die Jury innerhalb der großen Bandbreite eingereichter Arbeiten relevante Lösungsansätze, die die kulturelle Bedeutung von Architektur demonstrieren und die als hochwertige Baukultur das gesamte kulturelle Leben bereichern. Mit besonderem Interesse hat sich die Jury Projekten zugewandt, denen es gelingt, einem wertvollen Bestand neue architektonische Qualitäten beizufügen.

Aus der großen Breite an Architekturthemen haben sich zwei übergeordnete Bereiche hervorgetan, die geeignet sind, entscheidende Impulse zu geben, beziehungsweise Anker für gute Architektur und somit für hohes Wohlbefinden, aber auch wirtschaftliche Prosperität zu schaffen: Seien es auf der einen Seite Kulturbauten im weitesten Sinne oder auf der anderen Seite Gebäude, die durch ihre Funktion eine kulturelle Würde per se besitzen. Durch kluge Interventionen und durch ihre qualitative handwerkliche und konzeptionelle Umsetzung haben diese Gebäude einen Wert, der weit über die profane Funktionalität hinausgeht. Daher hat sich die Jury für sieben Projekte entschieden, die jedes auf seine Art, Baukultur sind.

Leider gilt dies nicht für die wichtigste Sparte der Architektur, den Wohnungsbau. Aus dieser Sparte konnte kein Objekt mit einem Preis ausgezeichnet werden – kein Einfamilienhaus und kein Geschosswohnungsbau. Zwar gibt es eine sehr große Anzahl neu gebauter und eingereichter Objekte aus diesem Bereich, aber keines dieser Gebäude konnte nach Auffassung der Jury die nötige Inspirationskraft entwickeln. Auch wenn viele dieser Objekte ansprechend gestaltet sind und moderne Wohnräume bieten, erweitern sie ihre Wirkkraft nicht über ihre Funktion hinaus.

Doch verantwortlich dafür sind nicht die Planer der Einzelobjekte, mussten diese sich architektonisch in endlosen Wohnsiedlungen, in denen sich Einfamilienhausquartiere mit großmaßstäblichen Stadtquartieren ablösen, positionieren. Zudem mussten diese in Stadträumen mit geringer sozialer Durchmischung, die sich meist durch die Trennung von Gewerbe, Wohnen und Arbeiten auszeichnen und die stadträumlich wenig geschlossen sind, architektonisch agieren.

Hierbei bedauert die Jury grundsätzliche strukturelle Schwächen im Bereich der Landesentwicklungsplanung aber auch bei derzeitigen städtebaulichen Planungen, die nach wie vor auf Konzepte der Nachkriegsmoderne zurückgehen und die nicht geeignet sind, soziologisch und stadträumlich Grundlagen zu bieten, auf denen heute hochwertige Architektur geschaffen werden kann. Vor dem Hintergrund dieser stadträumlichen Misere, die nicht von Architekten verursacht wurde, und die grundsätzlich auch nicht durch mehr oder weniger private Initiativen wie Baugemeinschaften ausgeglichen werden kann, ist es derzeit kaum möglich, beispielhaften Wohnbau zu gestalten.

Die Jury fordert daher die verantwortlichen Politiker und Stadtplaner dazu auf, dichte und vernetzte städtebauliche Grundlagen zu schaffen, die sozial und wirtschaftlich verträgliche sowie architektonisch und stadtstrukturell hochwertige Architektur, also Baukultur, erst ermöglichen.

Wir müssen zusammen Baukultur schaffen.

Preisträger

Staab Architekten, Marcus Ebener
Staab Architekten, Marcus Ebener

Generalsanierung Haus des Landtags

Architekt: Staab Architekten GmbH
Brigida González
Brigida González

Neubau Kärcher-Areal Winnenden

Architekt: Reichel Schlaier Architekten GmbH
Brigida Gonzalez
Brigida Gonzalez

Hochschule der Medien, Erweiterung Süd

Architekt: Simon Freie Architekten BDA
Christian Richters
Christian Richters

Kreativwirtschaftszentrum

Architekt: hartwig schneider architekten Gabriele SchneiderHartwig Schneider
bild_raum, stephan Baumann
bild_raum, stephan Baumann

Turmbergterrasse

Architekt: Hähnig I Gemmeke, Freie Architekten BDA
Herr Thomas Ott
Herr Thomas Ott

Tankturm

Architekt: AAg LoebnerSchäferWeber BDA Freie Architekten GmbH
Brigida Gonzalez
Brigida Gonzalez

Hof 8 - Umnutzung der ehemals landwirtschaftlichen Hofanlage

Architekt: Architekturbüro Klärle, Rolf Klärle Dipl.-Ing. freier Architekt BDA

Jury

Prof. Dipl.-Ing. Marcel Meili, Zürich (Vorsitzender)

Prof. Dr. Inés de Castro, Direktorin Linden Museum, Stuttgart

Amber Sayah, Architekturjournalistin, Stuttgart

Dipl.-Ing. Herwig Spiegl, Wien

Dipl.-Ing. Peter Haimerl, München